WERKE:

Positivismus:

Bernhard Plé: Die „Welt“ aus den Wissenschaften. Der Positivismus in Frankreich, England und Italien von 1848 bis ins zweite Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts, eine wissenssoziologische Studie. Klett-Cotta, Stuttgart 1996, ISBN 3-608-91754-3

Jürgen Hauff: Methodendiskussion. Arbeitsbuch zur Literaturwissenschaft Teil 1: Positivismus, Formalismus - Strukturalismus, 5., erg. Aufl., Athenäum-Verlag, Frankfurt am Main, 1987, ISBN 3-610-02003-2

Pedro Goergen: Der Positivismus Auguste Comtes und seine Auswirkungen in Brasilien. Dissertation, Universität München, Fachbereich Philosophie, Wissenschaftstheorie u. Statistik, 1975

Leszek Kolakowski: Die Philosophie des Positivismus [1965], Piper Verlag München, 1971

Auguste Comte: Rede über den Geist des Positivismus [original: Discours sur l’esprit positif] übersetzt, eingeleitet und hrsg. von Iring Fetscher [=Philosophische Bibliothek, 468], Meiner Verlag Hamburg, 1994, ISBN 3-7873-1148-3

Positivismusstreit:

Theodor W. Adorno et al.: Der Positivismusstreit in der deutschen Soziologie. 6. Aufl. Darmstadt 1978

Jürgen Ritsert: Einführung in die Logik der Sozialwissenschaften. 2. Auflage, S. 102-140, Verlag Westfälisches Dampfboot, Münster 2003, ISBN 3-929586-74-6

Hans-Joachim Dahms: Positivismusstreit: Die Auseinandersetzungen der Frankfurter Schule mit dem logischen Positivismus, dem amerikanischen Pragmatismus und dem Kritíschen Rationalismus. Frankfurt 1994


Positivismus in den Geschichtswissenschaften

Zugkraft entwickelte der Positivismus auf dem Gebiet der Wissenschaften zuerst bei den noch jungen Geschichts- und Kulturwissenschaften. Das Spektrum reicht hier von Übernahmen des positivistischen Geschichtsmodells durch Literaturhistoriker wie Hippolyte Taine bis hin zu einer Geschichtswissenschaft, die sich beim Interpretieren von Fakten zurückhielt und damit den Vorwurf auf sich zog, über Materialsammlungen nicht mehr hinauszukommen, ein in Teilen der Germanistik des 19. Jahrhunderts verbreiteter Vorwurf. Hauptvertreter wurden hier Wilhelm Scherer (1841-1886) und seine Schüler (Richard Heinzel, Richard Meyer, Franz Muncker, Erich Schmidt) mit Arbeiten über Autorenbiographien und die Entstehungs- und Wirkungsgeschichte einzelner literarischer Texte. Als Garanten einer umfassenden Materialbasis entstanden im Umfeld dieser Arbeiten faktenreiche historisch-kritische Texteditionen (namentlich zu Johann Wolfgang von Goethe, Friedrich Schiller, Johann Gottfried Herder, Heinrich von Kleist) und ausgiebige Stoff- und Motivgeschichten. In den Geschichtswissenschaften wird bis heute von stärker an übergreifenden Theorien interessierten Forschern des öfteren der Vorwurf erhoben, jene Gelehrten, die sich um eine plausible Rekonstruktion von Ereignissen und “Fakten” bemühten, seien bloße “Quellenpositivisten”, deren Interpretationen zu oberflächlich blieben.


Positivismusstreit

Der Positivismusstreit war eine in den 1960er Jahren, vor allem im deutschen Sprachraum (Westdeutschland, Österreich) ausgetragene gesellschaftstheoretische Auseinandersetzung über Methoden und Werturteile in den Sozialwissenschaften. Die Vorgeschichte reicht bis in die späten 1930er Jahre zurück, als Max Horkheimer in seinem Aufsatz Der neueste Angriff auf die Metaphysik (1937) eine Kritik des Erfahrungsbegriffs und der Konzeption der Logik des Wiener Kreises formulierte. Der Positivismusstreit schließt an vorangegangene Kontroversen unterschiedlicher Schulen in der Soziologie an, wie den Werturteilsstreit und den Methodenstreit (er wird auch bisweilen Zweiter Methodenstreit genannt).


Literatur über den kritischen Rationalismus

Der Kritische Rationalismus ist eine von Karl R. Popper begründete philosophische Denkrichtung. Ein weiterer wichtiger Vertreter ist Hans Albert, der sie für die Sozial- und Geisteswissenschaften weiterentwickelt hat. Der Kritische Rationalismus ist aus eigener Sicht eine Lebenseinstellung: „… die zugibt, dass ich mich irren kann, dass du recht haben kannst und dass wir zusammen vielleicht der Wahrheit auf die Spur kommen werden.“

Literatur:

- Karl Raimund Popper: Objektive Erkenntnis. Ein evolutionärer Entwurf

Inhalt: Wie der Untertitel verheißt geht es um die Evolution, aber auch um Tarskis Theorie der Wahrheit, man findet einen schlauen Beitrag zum Freiheitsproblem (von Popper anschaulich “Über Wolken und Uhren” betitelt) und sein Bekenntnis zum Realismus. Im Mittelpunkt steht jedoch die Erkenntnistheorie.

- Karl Raimund Popper: Logik Der Forschung

Inhalt: Wichtiges Mittel für Popper ist die Induktion. Er lehnt strikte die Möglichkeit ab, aus noch so vielen Fällen auf ein allgemeingültiges Gesetz zu schliessen. Hingegen steht er dem deduktiven Gesetz positiver gegenüber.

Das Erste Kapitel behandelt die Methode Induktion. Vor allem die Abgrenzung zwischen Wissenschaft und Pseudowissenschaft. Das zweite Kapitel behandelt methodische Regeln. Das dritte Kapitel beschäftigt sich mit der Analyse der Kausalität und der wissenschaftlichen Erklärungen. Das vierte Kapitel erklärt das Prinzip der Falsifizierbarkeit. Das fünfte über Aussagen, deren Stil und Form Das sechste behandelt das Prinzip der Falsifizierbarkeit vertieft. Das siebente kümmert sich um die Einfachheit von Theorien. Das achte behandelt Diskussionen auf mathematischen Ebenen Und das neunte Kapitel befasst sich mit der Quantenphysik.

- Karl R. Popper, Hubert Kiesewetter: Die offene Gesellschaft und ihre Feinde I. Studienausgabe

Inhalt: Popper versteht unter offenen Gesellschaften die diversen Formen der Demokratie, vom klassisch-demokratischen Athen bis hin zu den modernen Gesellschaften der “western civilization”, im Unterschied zu den geschlossenen (statischen) Gesellschaften der Stammeskulturen, der antiken Diktaturen und Tyranneien, bis hin zu den diktatorischen Regimen unseres Jahrhunderts. Von 1939 bis 1942, Anlass war der Einmarsch der Deutschen Wehrmacht in Österreich, hat Popper an den beiden Bänden der offenen Gesellschaft geschrieben: Gegen Hitler und Stalin; gegen Nazismus und Kommunismus. Vom Zauber Platon dessen idealstaatliche Vorstellungen Popper im ersten Band seiner “offenen Gesellschaft” vehement kritisiert und als totalitäre Version des Historizismus (eine Philosophie der unangemessenen Sinnndeutung des historischen Geschehens) entlarvt, spannt er den Bogen zu den “falschen Propheten” der Neuzeit, die er vor allem in Hegel und Marx sieht, den “orakelnden Philosophen” (Popper).

- Karl R. Popper, Hubert Kiesewetter: Die offene Gesellschaft und ihre Feinde II. Studienausgabe.

- Hans Albert: Traktat über Kritische Vernunft, 5. Aufl.

Inhalt: Der ‘Traktat über kritische Vernunft’ enthält die ausführliche Darstellung von Alberts erkenntnistheoretischer Position, seine Erläuterung der Idee der Kritik und ihre Bedeutsamkeit bei der Betrachtung von Ideologie, Theologie und Geschichts-und Sozialwissenschaft.

Hans Albert: Kritische Vernunft und menschliche Praxis


Interpretation:

- Man konzentriert sich auf die Erhebung von Daten und Fakten, die in gesetzmäßige Beziehung gebracht werden sollen. Der literarische Text ist zu beschreiben und dann zu erklären. Die rationale Analyse hat Vorrang.

Wie in der Botanik oder Chemie wird jedes Werk sorgfältig in seine Bestandteile zerlegt, um selbst das Künstlerische und Geniale auf einen Kausalnexus zurückzuführen, der auf dem Prinzip der absoluten Erklärbarkeit beruht.

- Die Subjektivität, die subjektiven Anteile des Wissenschaftlers, vor allem die nur vom Subjekt abhängigen Glaubensdinge sollen möglichst weitgehend ausgeschaltet werden, damit die Nachprüfbarkeit der getroffenen Aussagen gewährleistet ist.

Das erkennende Subjekt tritt zurück, das gegebene Objekt steht im Zentrum. Nur die empirisch gegebenen Sachverhalte zählen. Jede subjektive Wertung des Analyseobjekts durch den Forscher gilt als unwissenschaftlich. Man will ganz empirisch und möglichst exakt, ohne jeden metaphysischen Zusatz, ohne jegliches subjektive Moment vorgehen.

- Neben die Beschreibung und die Analyse tritt der Vergleich; der Vergleich erst macht Klassifikationen und Gruppierungen möglich, wenn einander ähnliche Elemente im Werk eines Künstlers als solche erkannt und auf der Grundlage dieser Ähnlichkeiten allgemeine Regeln gefunden werden können. Dazu gehört das Abstrahieren von Nebensächlichkeiten und das Herausstellen von Haupteigenschaften eines Textes bzw. Autors.

Am Anfang der gesicherten literaturwissenschaftlichen Kenntnisse stehen einzelne Fakten, die in größere Gruppen geordnet und deren Merkmale induktiv in allgemeinere Aussagen überführt werden können.

- Erst der Vergleich verhilft nach Scherers Ansicht auch den Literarhistorikern zu sicheren Erkenntnissen über Zeiträume, für die sie nur wenig Tatsachenmaterial besitzen.

Das Analogisieren soll ermöglichen, literarische Phänomene der Vergangenheit durch solche der Gegenwart besser zu verstehen. Scherers Methode der ‘wechselseitigen Erhellung’ gründet auf der Voraussetzung, daß die grundlegenden menschlichen Tätigkeiten in allen Epochen der Geschichte ähnlich und vergleichbar sind. Es ist daher möglich, über eine ferne Zeit, von der wir nur fragmentarische Urkunden besitzen, zuverlässige Schlüsse zu ziehen, indem wir auf sie das Wissen anwenden, das wir aus unserer engeren Vertrautheit mit einer modernen Epoche geschöpft haben. Dieses Konzept hängt wiederum mit der Grundüberzeugung zusammen, daß ähnliche Ursachen immer analoge Ergebnisse zeitigen werden.[1]

- Positivistische Forschung ist nicht denkbar ohne die Bemühungen um gesicherte Textgrundlagen. Da alles, was von einem Werk auf den ersten Blick als Tatsache vorliegt, nur sein Text sein kann, muß dieser in aller philologischen Gründlichkeit ediert werden.

 
bbs/fgt1b/positivismus.txt · Zuletzt geändert: 2007/05/10 21:50 von 195.4.54.201
 
Recent changes RSS feed Creative Commons License Donate Powered by PHP Valid XHTML 1.0 Valid CSS Driven by DokuWiki