Interpretation Medea - Stimmen - von Christa Wolf

1. Aufbau

Der Roman „Medea“ hat keinen durchgängigen Handlungsverlauf. Der Untertitel „Stimmen“ verrät aber schon die Struktur:

In elf inneren Monologen - „Stimmen“ - erzählen und reflektieren die Hauptpersonen des Romans über sich, ihre Gefühle und Gedanken sowie das Geschehen. Dabei sind die elf Stimmen sechs Personen zugeordnet:

Personen Anzahl
Medea Vier Stimmen
Jason, Leukon Je zwei Stimmen
Agameda, Glauke, Akamas Je eine Stimme

Die einzelnen Stimmen sind chronologisch zum Geschehen und zeigen die Katastrophe um Medea aus verschiedenen Blickwinkeln. So kann der Leser alles miterleben muss aber die Subjektivität der Aussagen beachten. Die einzelnen Stimmen sind nicht aufeinander bezogen und auch von keinem übergeordneten, außerhalb des Geschehens stehenden Erzähler miteinander verbunden. Eine Art Einführung gibt Christa Wolf mit der Reflektion von Elisabeth Lenk und einer Auflistung der im Roman vorkommenden Personen. Das Vorwort wird zur persönlichen Einleitung und damit durch den Text „Verbindung von Vergangenheit und Gegenwart“ ersetzt. Nach diesem Text folgt direkt der Hauptteil (die Stimmen).

2. Inhaltsangabe

Medea eine Kolcherin lebt in Korinth. Medea und andere Kolcher sind nach Korinth geflohen und leben dort als Flüchtlinge. Medea ist eine Systemkritikerin und akzeptiert auch das System des regierenden Königs Kreon nicht. Einige der anderen Flüchtlinge passen sich trotzdem schnell der dortigen Lebensart an (viele unterordnen sich). Andere pflegen die alten Kolchischen Traditionen und bleiben bewusst Fremde in Korinth. Dieser Gegensatz trennt nach und nach auch ihre Liebe zu Jason. Jason ist mittlerweile ein Mitglied der Regierung geworden, während Medea Kreon und seine Getreuen mit einigem Abstand betrachtet. Auf Grund ihrer Dienste als Heilerin ist sie bei den Korinthern gern gesehen, aber ihr für korinthische Frauen unübliches Selbstbewusstsein und ihre Neigung zu den kolchischen Bräuchen führen dazu, dass die Korinther ihr gegenüber einen Abstand entwickeln. Es kursieren Gerüchte, sie hätte Zauberkraft und hätte ihren Bruder Absyrtos getötet. Medea findet heraus, dass König Kreon seine Tochter aus politischen Gründen töten und sie unter der Stadt begraben ließ. So wird Medea zum politischen Risiko für Kreon. Er streut Gerüchte und verbreitet Lügen, um Medeas Ansehen zu schädigen und ihre Unglaubwürdigkeit im Volk zu erzwingen. Letztendlich wird Medea aus der Stadt verbannt. Ihr ehemaliger Freund Jason will die Königstochter und Thronfolgerin Glauke heiraten, doch sie wird Opfer der patriarchalischen Herrschaftsstrukturen am eigenen Hofe und kommt ums Leben. Medeas Kinder werden von den Korinthern gesteinigt, sie selbst bleibt mit ihrem Hass und ihren Fragen an das Schicksal zurück.

3. Personen

3.1 Hauptpersonen

3.1.1 Medea

Sie ist Kolcherin, Tochter des Königs von Kolchis, sowie Schwester der Chalkiope und ihres Bruders Absyrtos. Seit frühester Kindheit ist sie Priesterin der Hekate und hat somit einige Zauber- und Heilkenntnisse. Als sie Jason begegnet verliebt sie sich gleich in ihn. Zusammen fliehen sie in Jason Heimat. Ausschlaggebend für ihre Flucht könnte die Vorahnung des Untergangs Kolchis sein. Nach der Verstoßung Jasons aus Jolkos heiratet Medea ihn und bindet sich somit. Sie gebärt ihm zwei Kinder. Zusammen mit Jason und anderen verlassen sie seine Heimat und fahren mit dem Schiff (Argo) nach Korinth, wo Jason und Medea als Flüchtlinge Asyl erhalten. Eine Art Sonderstellung auf Seiten Medeas wird sichtbar, ihr Selbstbewusstsein steigt, sie entwickelt Stolz. Dankbarkeit erfährt Medea nur wenig. Sie wird auf Grund ihrer Zauber- und Heilfähigkeiten von anderen gemieden und als Hexe bezeichnet. Dies ein Missverständnis, dar sie eigentlich nur helfen will. Ausschlaggebend ist hier die Hungersnot, die durch Medeas Hilfe vermeidet werden konnte. Ihre Methoden Kräuter und Pferdefleisch zu essen empört das Volk, obwohl es dem nachgeht. Sie wird beschuldigt das Fleisch und die Kräuter verhext zu haben, doch in Wirklichkeit war es die einzige Möglichkeit die Leute vor dem Hungertod zu bewahren. König Kreon setzt alles daran Medea ins schlechte Licht zurücken, um sie als politisches Risiko auszuschalten. Medea hatte zuvor entdeckt das er seine Tochter töten ließ. Medea wird von Christa Wolf jedoch nicht mehr als die „wilde Furie“, wie sie es in einer früheren Interpretation dargestellt hatte bezeichnet, sondern vielmehr als die stets hilfsbereite und souveräne Frau. In betracht darauf das die Korinther ihre Kinder töteten, bewahrt sie ein gewisse Distanz. Sie legt dennoch einen Fluch auf ihre Gegner. (Akamas, Agameda, Kreon und Presbon).

3.1.2 Jason

Der Königssohn aus Jolkos ist der Anführer der Argonauten. Ihm wurde aufgetragen das Goldene Vlies aus Kolchis zu holen um seinen Anspruch auf den kolchischen Thron anzumelden. In Kolchis fällt ihm Medea auf, die ihn, durch ihre Fremd- und Überlegenheit, sofort verzaubert. Jason wird im Roman als gut aussehend bezeichnet, zudem besitzt er eine starke Wirkung auf Frauen, wie dies von Glauke (vgl. ebd. S.131) dargestellt wird. Sie ist es auch mit der Jason sich in Korinth einlässt, jedoch sucht er auch noch oft Medea auf. Hier verfolgt er aber nicht die Liebe zu ihr, da diese durch Glauke gescheitert ist, vielmehr treibt ihn die Faszination Medeas an. Er schläft noch mit ihr, verwechselt sie aber oft mit anderen Frauen (vgl. ebd. S.24). Der Held der Argonautensage wird in Korinth, durch Einfluss von Kreon und Akamas, zu einem passiven Mann erzogen. Er wir zur Marionette, des für ihn undurchschaubar gewordenen Macht- und Intrigenspiels am Hof. Sein Verschulden will und kann er nicht einsehen. Dabei ist er es, der sich mit Glauke verlobt obwohl er noch mit Medea verheiratet ist. Jason entwickelt in sich immer mehr das egoistische Denken, das den Leuten am Hof auch zueigen ist. Gegen Ende des Romans zeigt sich nochmals Jasons glanzloser Abstieg, erfüllt von Eitelkeit, Frust und Enttäuschung vergewaltigt er Medea. Nach dem Tod Glaukes und der Gegebenheit, das Jason nichts mehr zu sagen hat (vgl. ebd. S.218) vegetiert der einst ruhmvolle Held einsam unter seinem verfaulenden Schiff dahin.

3.1.3 Glauke

Sie ist die Tochter von König Kreon und damit auch die rechtmäßige Thronerbin von Korinth. Sie wird genau wie Medea auch ein Opfer der patriarchalischen Herrschaftsstrukturen am Hof von Korinth. Im Roman ist sie auf dem Königshof eine isolierte Person. Sie wird von einigen, darunter auch ihre Eltern, als dumm, unvernünftig und sogar als blöd bezeichnet. Das ist nicht nur unverantwortlich von ihren Eltern, sie vergessen auch, dass ihre Tochter an Epilepsie leidet, was es nicht unbedingt leichter für Glauke macht. Sie sieht die Ankunft der Kolcher als willkommene Veränderung. Medea hilft ihr, sich aus der Isolation zu befreien und stärkt gleichzeitig ihr Selbstbewusstsein. Neue Kleider und die Gesellschaft von Medea, Oistros und ihren Freunden verhelfen ihr, sich wie ein normales Mädchen zu verhalten und außerdem noch auf Männer attraktiv zu wirken. Nach Medeas Verbannung vom Hof, gerät Glauke unter den Einfluss von Turon und Agameda, die Medea in kein gutes Licht rücken. Doch trotz dieses Lügengewirrs ist Medea immer noch eine innere Kraft für Glauke. Sie braucht eine Person, die sie betreut und der sie vertrauen kann. Ihr letzter Hilferuf auf S. 146 verdeutlicht das. Auch am Ende des Romans macht sich Glauke für Medea stark, doch sie wird überhört und findet keine Aufmerksamkeit. Als Trotzreaktion sagt sie sich frustriert von Jason und dem Hof los. Mit ihrem Freitod demonstriert sie als Einzige, dass sie mit der gewissenlosen Menschenverachtung des korinthischen Systems, dessen Mittel Mord und Rufmord sind nichts gemein haben möchte.

3.1.4 Agameda

Eine Kolcherin, die gemeinsam mit Jason und Medea, nach Korinth kam. Einst war sie überzeugte Schülerin Medeas, doch ihre Einstellung änderte sich ihr gegenüber. Sie ist neben Presbon die einzige Person des Romans, die Medea aus Hass vernichten will. Ihre Feindschaft lässt sich aus angeblichen Gründen der Benachteiligung ihrer Person in Sachen Förderung und Liebe herleiten. Agameda ist neidisch auf Medeas Glück. Der Tod Medeas wird Glückstag werden (vgl. ebd. S.70). Um Medea möglichst schnell zu beseitigen geht die egoistische Agameda mit Turon, Presbon und Akamas Zwecksfreundschaften ein.

3.1.5 Akamas

Akamas ist Astronom am Königshof in Korinth. Außerdem ist er ein guter Freund des Königs. Er ist der Einzige, dem das Geheimnis um die Ermordung Iphinoes und dem daraus resultierenden Machterhalt König Kreons bekannt ist. Mit Medea führte er lange Gespräche, deutete Sternenbilder oder fachsimpelte(vgl. ebd. S.113) mit ihr. Doch als Medea unter dem Palast auf die tote Tochter des Königs stieß änderte sich sein Verhalten gegenüber Medea. Er versuchte alles um dieses Geheimnis zu bewahren und für ihn gab es nur das Ziel Medea als Zeuge aus dem Weg zu räumen. Er streute das Gerücht vom Brudermord und nutzte eine Mondfinsternis um den Umstand der Pest Medea in die Schuhe zu schieben. Er ließ nichts er unversucht um sie zu vernichten. Obwohl er Agameda und Presbon eigentlich nicht leiden kann, gründet er eine Art Bewegung gegen Medea. Gegen Ende erlang er zwar was er erreichen wollte, doch er wirkt zunehmen realitätsfremd (ebd. S. 77).

3.1.6 Leukon

Leukon ist der zweite Astronom am Königshof in Korinth, was ihm auch einen engen Kontakt zu König Kreon verschafft. Medea beschreibt ihn als groß, schlank und etwas ungelenk (vgl. ebd. S.17). Er entwickelt Sympathien gegenüber Medea und sondert sich somit von den übrigen Korinthern ab. Dadurch erhält seine Rolle eine andere Bedeutung. Er wird zum Außenseiter am Hof und warnt Medea vor ihrem Schicksal. Sein Leben in Korinth wird einsam, einzige Kontakte besitzt er nur noch zu Medea, Oistros und, seiner Liebschaft, der Kreterin Arethusa. Seiner Arbeit wird zum Mittelpunkt seines Lebens, er bemüht sich Medea zu helfen bleibt aber trotzdem äußerst teilnahmslos. Das ändert sich aber als Medea verbannt wird und seine Geliebte an der Pest stirbt. Leukon fühlt sich mitschuldig an Medea Verbannung „Ach ich habe nichts getan um sie zu retten“ (ebd. S. 207). Doch allgemein betrachtet hat Leukon durch seine Apathie Medea nicht geholfen sondern zusätzlich geschadet. Er stellt sich in eine Reihe mit ihren Gegnern und resigniert durch seine, mittels Feigheit entstandene, Schuld.

4. Handlung

Skizziert man die elf Stimmen so ergibt sich folgendes Bild:

  • Medea, Jason, Agameda, Medea, Akamas, Glauke, Leukon, Medea, Jason, Leukon, Medea

Fortsetzung folgt…

5. Hypothesen über die Wirkung

5.1 Sprache

Hier entsteht…Penis

5.2 Stil

Hier entsteht…

 
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