Autor: G.E. Lessing

Werk: Emilia Galotti

Geschrieben: 1771/72 Personen

Emilia Galotti Hauptperson der Geschichte (man weiss aber nicht so viel über sie), Schönheit, will ihre Unschuld nicht verlieren (Ehre retten) brave, artige Tochter, unfähig sich im öffentlichen Leben zurechtzufinden Odoardo Galotti, Vater Familienoberhaupt, klug (misstraut Prinz), streng aber gutmütig, will nur das Beste für die Familie, bestimmt Ehepartner für Emilia, Claudia Galotti, Mutter ist Vater unterstellt, Vertrauensperson von Emilia, will nur das Beste für Emilia, nicht so „hell“, unkritisch, naiv, anfällig für den Glanz des Hofes Der Prinz wenig verantwortungsbewusst da er verliebt ist, blind, absolutistisch Marinelli, Kammerherr des Prinzen hinterhältig, gescheit, will wahrscheinlich selbst Anspruch auf Macht des Prinzen Conti, Maler Kommt nur im ersten Aufzug vor. Wichtig, dass Zuschauer Dinge erfahren: Vorgeschichte, Emilia ist schön, Charakter des Prinzen Graf Appiani Sollehemann von Emilia ( keine weitere Angaben: wahrscheinlich gescheit, nett..) Gräfin Orsina Aufgeklärte Frau, die Mut hat ihren Verstand zu benutzen, denkt selber und lässt sich nicht täuschen, kritisch, kann kombinieren, mutig, nicht faul bzw. feige

Der Inhalt Hettore Gonzago, Prinz von Guastalla, hat für Emilia Galotti, Tochter des Obersten Odoardo Galotti, die er in seiner Gesellschaft gesehen, eine so heftige Leidenschaft erfasst, dass er des schönen Mädchens wegen die wichtigsten Staatsgeschäfte vernachlässigt oder leichtfertig behandelt. Er vertraut sich seinem intriganten und geschmeidigen Kammerherrn Marinelli an, und dieser unternimmt es, Emilia für den Prinzen zu gewinnen. Emilia ist tugendhaft. Sie ist mit dem Grafen Appiani verlobt, und die Hochzeit soll heute stattfinden. Die Vermählung soll auf dem Landgute Sabionetta gefeiert werden. Dort weilt Emilias Vater Odoardo, der das Leben in der frivolen Residenz nicht liebt, auch nicht mit dem Prinzen zusammentreffen will, mit dem er auf feindseligem Fuße steht. Marinelli versucht nun, den Grafen Appiani für eine sofort zu übernehmende Gesandtschaft zu gewinnen, um zunächst Aufschub der Hochzeit zu erreichen. Der Graf schlägt das Anerbieten aus, worauf der nicht verlegene Marinelli schnell neue Vorkerhungen trifft. Er führt den Prinzen, den er nur halb in seinen Plan eingeweiht, nach dem Lustschloss Dosalo und dingt den Banditen Angelo zu einer meuchelmörderischen Tat. Der geschickte Bravo weiß es einzurichten, dass der Wagen, der Appiani mit Emilia und deren Mutter Claudia zu Odoardo bringen soll, ganz in der Nähe des Lustschlosses von ihm und seinen Genossen angefallen wird. Appiani wird dabei erschossen, und Diener des Prinzen eilen herbei, die entsetzten Frauen nach Dosalo in Sicherheit zu bringen.

Marinellis Plan wäre nun auch gelungen, wenn nicht Claudia von den Lippen des sterbenden Grafen seinen Namen als den des Mörders vernommen, und wenn der Prinz nicht selbst den Verdacht dadurch verstärkt hätte, dass er gegen die Verabredung mit seinem Kammerherrn Emilia in der Messe aufgesucht und ihr während des Gebets glühende Liebesworte zugeflüstert.

Emilia hatte ihrer Mutter davon Mitteilung gemacht. Wie sie von Marinelli empfangen werden und erfahren, dass sie sich auf dem Lustschlosse des Prinzen befinden, wird ihnen die Gewissheit schrecklich klar. Inzwischen hat Odoardo Galotti die Kunde von dem Überfall vernommen. Schnell eilt er nach Dosalo zu Frau und Tochter. Er trifft dort auf die Gräfin Orsina, die letzte Geliebte des Prinzen, die durch Späher die Vorgänge erfahren hat, eifersüchtig hierhergefahren ist, aber von dem Prinzen nicht vorgelassen wurde. Von der Gräfin hört nun der arglose Vater die ganze Kette der Ereignisse und im auflodernden Rachegefühl will er sich zum Prinzen Bahn brechen, ihn zu töten. Er beherrscht sich, um vor allem die Tochter zu schützen. Marinelli muss seinen Plan abermals ändern, und er tut dies, indem er sich als Freund und Rächer Appianis aufspielt, behauptet, dass ein glücklicher Nebenbuhler den Grafen getötet und um diesen zu entdecken, müsse man Emilia in Verwahrung nehmen, dem Gericht seinen Lauf lassen. Odoardo fügt sich und will seine Tochter in ein Kloster bringen. Liebenswürdig widerspricht man ihm. Emilia soll in das Haus des Kanzlers Grimaldi gebracht werden, denn dort - so denkt Marinelli - kann sie der Prinz jederzeit sehen und sprechen. Odoardo durchschaut diese Intrige, und als nun Emilia selbst kommt und ihm offen sagt, dass er sie nicht in der Verwahrung des Prinzen lassen solle, denn sie könne für sich nicht gut stehen, der Verführung zu trotzen, dass sie aber lieber sterben wolle, da greift der anfangs zaudernde Vater doch zum Dolche und durchsticht sie. Dankbar neigt sich Emilia auf seine Hand und tröstet den ob seiner Tat entsetzten Vater mit den Worten: “Eine Rose gebrochen, ehe der Sturm sie entblättert.” Den Prinzen ergreift starrer Schrecken, als er diesen Ausgang wahrnehmen muss. Feige wälzt er alle Schuld auf die Schultern Marinellis und tröstet sich mit der hohlen Phrase des Bedauerns, dass Fürsten auch nur Menschen sind. Interpretation

Die Liebesbeziehungen des Prinzen zu Orsina und Emilia werden von der tief eingewurzelten Vorstellung der Käuflichkeit und der Beherrschbarkeit durch Macht bestimmt. Der Prinz ist der absolute Herrscher. Diesem feudalistischen Prinzip steht das erwachende, in Emilia und ihrem Vater verkörperte Bürgertum gegenüber, das sich nicht länger beherrschen lassen will, den Gegensatz aber nicht revolutionär, sonder durch ein Selbstopfer (Tod Emilias), aufhebt. Die Familie (dargestellt durch Odoardo und des Grafen Appiani) fällt dem Herrscher zum Opfer (Hauptvorwurf des Stückes), obwohl sie sich der Welt des Hofes schon weitgehend entzogen hat. (Odoardo und Appiani wohnen auf dem Land) Aber auch innerhalb der Familie gibt es „Probleme.“ Odoardo repräsentiert ganz den herkömmlichen Patriarchen, der alle Macht über seine Familie hat. Funktion der bürgerlichen Familie: Der Eigenwille des Kindes soll gebrochen und der ursprüngliche Wunsch nach freier Entwicklung seiner Triebe und Fähigkeiten durch den inneren Zwang zur unbedingten Pflichterfüllung ersetzt werden. Der Schluss des Dramas ist umstritten. Einige sehen darin eine Vertröstung auf eine jenseitige Erlösung, andere eine Kritik Lessings an der unpolitischen Haltung des dt. Bürgertums.

 
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