Gerhart Hauptmann „Die Weber“

1.) Inhaltsangabe:

Als die Weber, arme und hungernde Menschen, die um ein Paar Pfennig Lohnerhöhung oder einen geringen Vorschuss bitten, bei dem Fabrikanten Dreißiger ihre Heimarbeit abgeben und neues Garn holen wollen, bricht ein kleiner Webers junge vor Erschöpfung und Hunger vor dem Haus vom Dreißiger zusammen. Woraufhin er herbei geilte kommt und das Kind in sein Privatkontor bringen lässt. Mit billigen Ausreden über die Verantwortung der Unternehmer versucht Dreißiger die wütenden Leute zu beschwichtigen. Im Haus des alten Ansorge arbeiten die Baumerts an Webstühlen und Garnspulen. Der alte Baumert, der seit 2 Jahren kein Fleisch mehr gegessen hat, hat einen kleinen Hund, der ihm zugelaufen war, geschlachtet und aufgegessen. Moritz Jäger, ein Reservist im Urlaub, stimmt das Weberlied an, welches die anderen Weber zu Revolution reizt um die Umstände nicht so zu lassen wie sie sind. In Welzels Gaststube unterhalten sich ein Reisender aus der Stadt und der Tischler Wiegant über die Aufruhen unter den Webern. Die Erregung wächst, als die jungen Männer, vom Schmied Wittig angestachelt werden und wiederum mit dem Weberlied anfangen. Als der versoffene Polizist um Ruhe bittet, wird die Situation so bedrohlich, dass der Polizist schnell aufgibt und verschwindet. Die Weber, das Weberlied singend, ziehen durch die Straßen in Richtung Dreißiger Fabrik. In Dreißigers Wohnung wagt der junge Hauslehrer Weinhold während einer kleinen Abendgesellschaft die Frage nach der „sozialen Gerechtigkeit“ zu stellen, Dreißiger verbittet sich aber Belehrungen über Humanität. Der festgenommene Führer der Revolution Moritz Jäger wird von den vor dem Haus randalierenden Webern befreit, die Polizei wird verprügelt und selbst der freundliche Pastor des Ortes wird misshandelt. Dreißiger bringt sich mit seiner Familie gerade noch in Sicherheit, bevor die Weber in seine Villa eindringen und alles kurz und klein schlagen. Der fromme alte Webermeister Hilse im Nachbardorf ist entsetzt über die revolutionierenden Weber, welche unterwegs sind, um auch einen hier einen Fabrikanten zu vertreiben. Doch hier erwartet sie schon das Militär. Weber und Militär leisten sich einen ungleichen Kampf, wo die Weber es also schaffen das Militär was dem Dorf zu vertreiben. In diesem Zusammenhab trifft eine Gewehrkugel den alten Hilse tödlich in seinem Haus.

2.) Beschreibung der Personen:

Der Fabrikant Dreißiger:

Er stellt den Hauptgegenspieler der Weber dar, die ihm absolut gleichgültig sind und nur Mittel zum Zweck um seinen Reichtum zu vergrößern. Dabei handelt er rhetorisch äußerst geschickt und stellt sich bei seinen Reden im ersten Akt als einen barmherzigen Wohltäter dar und lässt sich mit Hilfe von Fragen am Ende eines Vortrages immer wieder von den Webern bestätigen. So kann er ihnen auch immer wieder ihre Abhängigkeit von ihm als Fabrikanten vor die Augen halten. Dreißiger stellt einen klassischen Emporkömmling dar, der den Luxus in dem er lebt nicht riskieren will und auch zur Gewalt greift. Trotzdem macht Hauptmann aus ihm keine vollständige Karikatur sondern schildert auch dessen Probleme.

Moritz Jäger:

Er wird auch zu den Webern gezählt, ist aber ein Militär. Aus diesem Grund Trägt er auch saubere und ganze Kleider und hat auch im Gegensatz zu den Webern viel Geld. Außerdem wird er als „ein strammer mittelgroßer rotbackiger Reservist“ beschrieben. Als er die Baumerts besucht erzählen die ihm wie es ihnen geht daraufhin weckt Jäger einen revolutionären Gedanken in den anderen, an der Überlebendsgrenze lebenden Webern.

Der alte Baumert (Robert Baumert):

Das Zitat ,,Ich wollte ja gerne nich mitmachen. Aber sieh ock, d′r Mensch muss doch a eeziges Mal an Augeblick Luft kriegen” am Ende des Dramas stellt den Charakter wohl am besten dar. Er taucht in jedem Akt des Dramas auf und wird eigentlich recht geradlinig geschildert. Der arme Weber von einem starken Gerechtigkeitsgefühl geprägt und trotz eines Lebens voller Not und Leid nicht verbittert, sogar zunächst noch etwas naiv. Für ihn zerbricht seine Weltordnung, als Baumert das Weberlied von Jäger hört .Der alte Weber wird im Laufe des Dramas zu einem der Anführer, der die Lösung durch Gewalt als absolute Notwendigkeit betrachtet und mitkämpft, trotzdem meistens zögernd und an eine ausgleichende Gerechtigkeit glaubt.

3.) Sprache

In Gerhart Hauptmann seinem Werk „Die Weber“ ist die Sprache ein einem schlesischem Dialekt gehalten. Die gesamte Handlung wird in diesem ausgedrückt, jedoch die Beschreibung von Orten und Figuren sind in normalem Hochdeutsch gehalten. Für die heutige jüngere Generation ist es ziemlich schwierig dieses Buch auf anhieb zu verstehen, dies ist meist erst nach mehrmaligem lesen möglich. Satzbau und Schreibbild kann man mit heutigen Sachen nicht vergleichen, da es genau so niedergeschrieben wurde wie damals die Leute gesprochen haben.

Die durschnittliche Silbenanzahl liegt bei 1,2 und der Wortschatz von Hauptmann beträgt 71%. Die Satzlänge ist im Durschnitt bei 11 Wörtern. Das auffälligste in diesem Werk ist der schlesische, größtenteils schwer zu verstehende Dialekt.

Wortartenstruktur:

Nomen: 16%, Verben: 17%, Adjektive: 12%, Adverbien: 9%, Pronomen: 17%, Präpositionen:4%, Konjunktionen: 9%, Interjektionen: 0%, Artikel: 15%, Numeral: 1%.

4.) Historische Hintergründe:

Bis hin zum 19. Jahrhundert hatte die Leinenweberei in Schlesien eigentlich keine größere Rolle gespielt. Als allerdings alle wirtschaftlichen Beschränkungen, wie Zölle fielen, und die Gewerbefreiheit eingeführt wurde, zogen gerade Kleinbauern, deren Gut nicht mehr für ihren Lebensunterhalt ausreichte, in die Dörfer und machten die Leinenweberei zu ihrem Hauptauskommen. Allerdings führte der mangelnde Schutz und der Glaube, dass sich alles durch Angebot und Nachfrage ausgleichen wird, dazu, dass viele Weber schnell verarmten. 1786 wurde in England der erste automatische Webstuhl von Edmund Cartwright erfunden, der eine äußerst starke Konkurrenz für die deutschen Handarbeiter darstellte. Die Not durch den stärkeren Wettbewerb noch billiger höhere Qualität zu liefern, endete in der Verarmung der Bevölkerung. Nach weiteren Lohnkürzungen kam es am 4.Juni 1844 in Peterswaldau zu einem planlosen aufstand, der blutig niedergeschlagen wurde.

 
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