====== Anton Reiser ====== Karl Philipp Moritz 1785-1790

Dieser psychologische Roman ist von Moritz als Biografie eines begabten, sehr um Anerkennung bemühten Jugendlichen geschrieben, der als Lehrling eines Hutmachers die Aufmerksamkeit seiner Umgebung erregt. Erst ist Pyrmont der Schauplatz des Geschehens , später jedoch Hannover. Gegen den Willen seines Vaters ist Reiser dort als Schüler einer Lateinschule und des Gymnasiums als Sipendiat bemüht, um die “kleine” Welt seiner Eltern hinter sich zu lassen. Jedoch wird auch dieses Leben von Reiser als genauso erniedrigend erlebt wie sein voriges Leben im Haus seiner Eltern und der Lehre. Sein starker Wunsch nach Erfolg motiviert ihn jedoch und deshalb sucht er diesen in der Dichtung und im Theaterspiel. Als sein Wunsch von einem Mitschüler bestärkt wird gibt er die Schule auf und sucht nach einen Platz in der Theatergruppe Eckhofs in Gotha. Jedoch scheitern auch diesmal seine Pläne. Danach eröffnet sich für ihn die Chance eines Studiums in Erfurt, diese Möglichkeit nimmt er jedoch nicht war, denn er versucht sich wieder einer Schauspielergruppe anzuschließen, diesmal in Leipzig. Unglücklicherweise brennt genau in dieser Situation der Direktor der Truppe mit dem Erlös aus dem Verkauf der Garderobe durch. Mit diesem Roman will der Autor den Werdegang eines Jugendlichen beschreiben, der zwischen Ehrgeiz, sozialer Not usw. bestehen muss. Probleme und Misserfolge werden hier nicht als Ergebnis der Herkunft dargestellt, sondern vielmehr als Folge der Fehlentscheidungen Anton Reisers. Das Theater wird für Reiser zur Bühne der Selbstdarstellung. In diesem Sinne fungiert dieser Entwicklungsroman, der einen begabten jungen Menschen zum Protagonisten hat, erstens als Zerrbild überkommener pädagogischer Konzepte, zweitens aber auch als Beispiel überzogener Empfindsamkeit eines Jugendlichen, die sich vor allem in dessen Neigung zur Überempfindlichkeit gegenüber seiner Umwelt zeigt.

 
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