Der gestiefelte Kater

Der gestiefelte Kater ist eine Komödie von Ludwig Tieck. Sie erschien 1797. In dem Stück geht es um den jüngsten von drei Bauernsöhnen, der nur einen Kater von seinem Vater erbt. Es stellt sich heraus, dass der Kater sprechen kann und so verhilft der Kater dem Bauernsohn zu Reichtum.

Gottlieb, der jüngste von drei Bauernsöhnen, erbt nach dem Tod des Vaters den Kater Hinze. Auf den ersten Blick scheint es Gottlieb, dass er damit am schlechtesten dran sei, aber Hinze fängt plötzlich an zu sprechen und bittet Gottlieb, ihm ein paar Stiefel anfertigen zu lassen. Auf diese Weise, verspricht er, werde er Gottlieb zu Glück und Reichtum verhelfen. Mit diesen Stiefeln gelingt es Hinze, sich am Hof des Königs als ein Diener des erfundenen Grafen von Carabas auszugeben. In dessen Namen schenkt er dem launischen König, der Kaninchenbraten über alles liebt, immer wieder Kaninchen. Da der König gerade einen geeigneten Ehemann für seine Tochter sucht, will er bald den Grafen von Carabas kennen lernen, der laut Hinze der Herrscher des Nachbarlandes ist. Der wirkliche Herrscher des Nachbarlandes ist eine merkwürdige Gestalt, die von seinen Untertanen Popanz genannt wird. Er kann sich in alle möglichen Tiere verwandeln und ist ein sehr unbarmherziger Herrscher. Als der König ankündigt, ins Nachbarland zu reisen, um den Grafen von Carabas zu besuchen, bringt Hinze den Popanz durch eine List dazu, sich in eine Maus zu verwandeln und frisst ihn so auf. Dem König setzt er nun Gottlieb als Grafen von Carabas und Herrscher dieses Landes vor. Dieser ist begeistert und gibt ihm seine Tochter zur Frau.

Das Stück ist in drei Akte aufgeteilt, welche immer durch Zwischenakte verknüpft sind. In den Zwischenakten diskutiert das Publikum über die gesehenen Szenen, zum Teil auch mit dem Dichter selber.

Kater Hinze: Er kann sprechen und ist sehr intelligent und gebildet. Er schafft es, Gottlieb durch eine List zum Grafen von Carabas zu machen.

Gottlieb: Er ist einer der Müllersöhne und erbt den Kater. Er wird Herrscher von Carabas und heiratet die Königstochter vom benachbarten Königreich.

König: Er versucht seit Jahren seine Tochter zu verheiraten. Er ist eine zwiespältige Person. Einerseits liebt er seine Tochter, anderseits wirft er immer wieder vor, wie undankbar sie sei.

Prinzessin: Sie versucht ihren Vater glücklich zu machen, schafft es aber nicht, einem geeigneten Mann zu gefallen.

Das Stück ist in einem scherzhaften, leichten Ton gehalten und die scharfe Kritik ist mit viel Wortwitz und Wortspielen gemildert. Tieck bezieht keinen festen Standpunkt, er lässt ab und zu das Publikum, den Dichter oder einen der Schauspieler für sich sprechen.

Im Theater wurde ,,Der gestiefelte Kater” nach der Uraufführung 1844 nur dreimal wiederholt, bevor es abgesetzt wurde, weil sich das Publikum (laut Tieck) so verhielt, wie es in der Posse gezeigt worden ist. Als Komödie jedoch hat das Stück nicht nur in der Romantik, sondern bis ins 19. Jahrhundert seine Wirkung.

Das Stück kann als Kritik an der zeitgenössischen Literatur aufgefasst werden. Tieck drückt in dem Stück seine Abneigung gegenüber den zu seiner Zeit erfolgreichen Autoren aus, die seiner Ansicht nach ästhetische Maßstäbe zugunsten der Anerkennung des Publikums aufgaben. Der gestiefelte Kater zeigt, dass Ludwig Tieck sich seine künstlerische Freiheit nicht durch die damals geltenden Literaturkonventionen einschränken lassen möchte. Er war der erste, der diese Art von Theaterstück mit der Zusammenstellung von Realität und Fiktion geschrieben hat.

 
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