Zusammengefasst von Björn Schmitz und Mario Klein

Verbindliche Unterrichtsaspekte

1) Innere Mehrsprachigkeit des Deutschen (Varietäten)

Definition Sprache: Sprache ist ein (individuell und) gesellschaftlich definiertes Zeichensystem, das unsere Subjektivität ausdrückt und infolgedessen ein Mittel zur Inhalts-übertragung, Sozialisation, Abstraktion, Identitätsverwirklichung und Bildung einer eigenen Realität von herausragender Bedeutung darstellt. Die von lautlicher, lexikalischer und grammatikalischer Vielfalt, Flexibilität und Dynamik gekennzeichnete Sprache der menschlichen Rede ist von anderen verbalen und nonverbalen Zeichen begleitet und geprägt, verschriftlicht aller-dings häufig weniger interaktiv, formalisierter und durch die geringere Flüch-tigkeit bei der Erzeugung und Aufnahme anschaulicher. Erwerb:

Mehrsprachigkeit ist der Normalfall und Einsprachigkeit die Ausnahme! Ein Kind ist nicht mehrsprachig, sondern es wird erst zu Mehrsprachigkeit erzogen. Ein Mensch, der mehrsprachig sprechen kann, ist aus zwei einsprachigen „Teilen zusammengesetzt“ worden, dabei ist meist eine Sprache dominant. Durch Sprache erwirbt man die Kultur einer Gemeinschaft und wird in ihre Tradition eingebunden. Der Mensch kommt aber nicht mit einer fer-tigen Sprache auf die Welt, sondern er muss sich auch die Mutterspra-che (Erstsprache) erarbeiten. Sprachliche Bildung mit dem Ziel von Mehrsprachigkeit und Interkulturalität umfasst die Ausbildung und Ver-feinerung

o Der Muttersprache in Form „innerer Mehrsprachigkeit“.

o Weiterer Sprachen als „äußere Mehrsprachigkeit“.

System:

Hierbei wird unterschieden zwischen äußerer und innerer Mehrspra-chigkeit. Die äußere Mehrsprachigkeit bedeutet in verschiedenen Spra-chen zusprechen, z.B. Deutsch – Türkisch. Die innere Mehrsprachigkeit unterteilt sich in Sprache und Dialekt, z.B. Alemannisch – Standard-deutsch. In Deutschland bedeutet innere Mehrsprachigkeit aus didaktischer Sicht, die Vielfalt der deutschen Sprache als eine ständige Bildungsauf-gabe mit dem Ziel zu sehen, dass die verschiedenen Varietäten und Modi angeeignet werden. Dabei sind verschiedene Varietäten und Stil-ebenen zu unterscheiden:

- dialektale Varietäten, die der unterschiedlichen geographischen Verteilung entsprechen und soziolektale Varietäten, die von den verschiedenen sozialen Gruppen benutzt werden.

- Formelle und informelle Stilebenen, die in unterschiedlichen Kommunikationssituationen angebracht sind. Das Konzept der inneren Mehrsprachigkeit hält am Primat der Hoch-sprache, der Kommunikationsform mit der größten Reichweite, als un-bedingtem Lernziel fest, ohne allerdings andere Varietäten abzuwerten. Der Begriff der Hochsprache ist unmittelbar verbunden mit dem der schriftlichen Sprache. Zur Entwicklung der inneren Mehrsprachigkeit gehört es auch, die verschiedenen Fachsprachen bewusst zu vermit-teln. Jedes Unterrichtsfach muss daher seine Sprachlernfunktion expli-zit wahrnehmen

2) Stellung der deutschen Sprache im Kontext europäischer Mehrsprachigkeit am Beispiel von Politik, Kultur, Wirtschaft und Wissenschaft

• Jede Sprache schafft Kultur und prägt nationale Identität. Wer in die deutsche Sprache investiert, erwirbt immer auch deutsches Kulturgut. Mit Deutschkenntnissen lernt man die Kultur und die Geschichte der Deutschen besser kennen und verstehen. • Mit Deutschkenntnissen lernt man eine große europäische Kultur im Original kennen. Sei es die Welt der Literatur - Goethe, Schiller, Kafka, Grass -, die Welt der Musik - Bach, Mozart, Beethoven, Wagner -, die der Philosophie - Luther, Kant, Schopenhauer, Nietzsche -, oder der Psychologie - Freud, Adler, Jung - oder auch die Welt der Forschung und Wissenschaft - Kepler, Einstein, Röntgen, Planck – Deutsch ist die Sprache für Köpfe! • In den letzten vier Jahrhunderten sind aus Mitteleuropa viele Menschen nach Nord- und Südamerika oder Australien ausgewandert. Viele Nachfahren interessieren sich heute für das Leben und die Kultur ihrer Vorfahren. Wer die Heimat seiner Groß- und Urgroßeltern kennenlernen möchte, Ahnenforschung an Originalschauplätzen durchführen will, hat mit Deutschkenntnissen Vorteile und kommt schneller zum Ziel. • Kunst, Musik, Theater und Film spielen im öffentlichen Leben in Deutschland eine wichtige Rolle. Renommierte Kunst- und Musikhochschulen bieten ebenso wie bekannte Theater- und Filmhochschulen qualifizierte Studiengänge an. Deutschkenntnisse sind notwendig, wenn man sich über Kunst und Kultur in Deutschland informieren oder sich in Deutschland künstlerisch aus- und weiterbilden will. • Das Erlernen und Beherrschen der deutschen Sprache ist eine Investition, die auf bleibende und solide Werte setzt. Sprachenkompetenz ist ein Kapital, das Zukunft hat und nicht aus der Mode kommt. Deutsche Kultur manifestiert sich in verschiedenen Formen: von Literatur und Musik über Theater und Film bis hin zur Architektur, Malerei, Philosophie und Kunst. Kulturelles Leben zeigt sich aber auch in der Lebenskultur, in Buchhandel und Bibliotheken, in Festivals und Sport. Die deutsche Buchproduktion nimmt international den dritten Platz ein. Deutsche Medienkonzerne operieren weltweit, deutsche Literatur wurde mit Nobelpreisträgern prämiert, die Märchen der Brüder Grimm sind in viele Sprachen übersetzt worden, deutsche Museen sind nicht nur touristische Attraktionen und der deutsche Film kann internationale Erfolge feiern. Wirtschaft • Deutschland wirtschaftlich stärkstes Land Europas • viele umsatzstarke Unternehmen kommen aus Deutschland ( Daimler, Volkswagen, Miele, Siemens) • Deutschland exportiert die meiste Ware nach Europa, deutsche Waren haben den Ruf der guten Qualität • in Deutschland finden international große Messen wie CeBIT, IAA oder IFA statt. Wissenschaft

• im 19. Jahrhundert hohe Stellung als Wissenschaftssprache in Europa und der Welt • in Natur und Geisteswissenschaft war Deutsch als Fachsprache für Studium und Forschung wichtig • auf Deutsch wurden internationale Fachzeitschriften veröffentlicht • heute zum Beispiel benutzen japanische Ärzte deutsch um ihre Karteikarten zu führen

3) Sprach- und Stilkritik an Tendenzen der deutschen Gegenwartssprache (z.B. Positionen wider‚falsches’ und ‚schlechtes’ Deutsch; Kritik der Anglisierung)

- Anglizismen Wörter die aus dem Englischen in andere Sprachen übernommen werden - Wortkreationen Zusammensetzung aus deutschen und englischen Wörtern z.B. Herren-Slip - Scheinanglizismen Wortschöpfung klingen englisch sind aber in der Sprache nicht enthalten z.B. Beamer, Handy - Auswirkung: Wir schreiben wie wir sprechen z.B. „Ich hab` ne Autopanne“ - „Falsches“ und „richtiges“ Deutsch Abhängigkeit von der Umgebung

4) Geschriebene Standardsprache (z. B. in offiziellen Geschäftsbriefen) und geschriebene Umgangssprache (z. B. in privaten SMS-Nachrichten, Emails und Chats)

Standardsprache - Geschäftsbrief Benutzung von Standardsprache auch Hochsprache genannt, Einhaltung von Normen DIN 676, Merkmal Höflichkeitsform (Gruß) - Standardsprache Unterscheidung von Region zu Region, Unterschiedliche Interpretation zur Annerkennung der Hochsprache Umgangssprache -SMS/-Mail hohe Toleranz an Rechtschreibfehlern, Vernachlässigung von Grammatik und Rechtschreibung, Merkmal Einsparung von Zeichen - Chat schriftlicher Gespräch, Merkmal Dehnen von Wörtern (Iteration), Benutzung von Smileys

5) Gespräch oder Geschwätz? Kommunikation am Beispiel des TV-Formats ‚Talkshow’

- Gespräch: Unterhaltung zwischen zwei oder mehreren Personen - Geschwätz: Ein Begriff für eine Unterhaltung in einem entspannten Gesprächsumfeld ohne eine bestimmte Tiefgründigkeit, Negative Bedeutung heißt dumm oder daherredend - Talkshows „Gesprächs-Sendungen“ , Gäste geben ihre Meinung oder Probleme preis, Moderator koordiniert Redebeiträge und stellt gezielt Fragen um weitere Gesprächsschritte zu initiieren Gäste kommen meist aus einem „sozialen Brennpunkt“ Streitgespräche, Versöhnungen, Wiedersehen und Offenbarungen bilden den wesentlichen Kern der Sendungen.

Sprach-Kulturerwerb

Definition Spracherwerb:

	(Quelle: Brockhaus)
Aneignung der Fähigkeiten grammatikalisch richtige Sätze zu bilden, sprachliche Äußerungen zu verstehen und Situationsgerecht anzuwenden - erlernen der ersten Sprache - Fremdsprachenerwerb - Wird durch die soziale Umweltbeziehung beeinflusst

Text / Quelle: Kommunikation, Otto Walter Haselott, 2. unveränderte Auflage, Verlag Berlin

- Spracherwerb beeinflusst den Kulturerwerb, genauso das der Kulturerwerb abhängig ist von der Sprache - Man imitiert nicht das Sprechen der Eltern, sondern speichert die Bewegung ab und bildet eine eigene Sprache - Worte ohne inhaltliche Verbindung werden nicht aufgenommen

Definition Kulturerwerb

:

- Mensch bringt es als Selbstgestaltung hervor - Tritt auf in der Technik, Kunst, Moral, Religion, Wirtschaft und Wissenschaft - Deutsch = Kultur, Franzosen = Zivilisation

Mario Klein , Björn Schmitz

 
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